Fotos zur Vollversammlung 2013

 
 
 
 
 
 
 
 
 
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29.11.2013, Plenarsaal im Neuen Rathaus Innsbruck

 

09:00 Vollversammlung

Präsident HR DI Eugen Sprenger eröffnete die Vollversammlung und gab Einblick über die vergangenen Vereinstätigkeiten 2013. Im Anschluss berichtete Kassier Josef Falkner über den finanziellen Stand des Forstvereins. Auf Antrag der Rechnungsprüfer, die eine einwandfreie Kassaführung bescheinigten, wurde der Kassier als auch der Vorstand einstimmig entlastet. Geschäftsführer Florian Riccabona stellte anschließend das geplante Jahresprogramm 2014 vor. Abschließend übergibt HR DI Eugen Sprenger nach 16 Jahren als Präsident des Tiroler Forstvereins sein Amt an DI Kurt Ziegner.

 

10:30 Vortragsveranstaltung

„Waldwirkungen und Hangstabilität“

Untersuchungen und Hinweise aus der Schweiz

 

Moderation:

DI Kurt Ziegner, Präsident des Tiroler Forstvereins

Vortragender:

DI Christian Rickli, Wissenschaftler der Forschungseinheit Gebirgshydrologie und Massenbewegungen, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), Schweiz

 

Unter diesem Titel organisierte der Tiroler Forstverein eine Vortragsveranstaltung, worin die Einwirkung des Waldes auf das Auftreten von flachgründigen Rutschungen thematisiert wurde. Der frisch gewählte Präsident DI Kurt Ziegner begrüßte dazu die Gäste zur Podiumsdiskussion: FD DI Josef Fuchs (Land Tirol, Gruppe Forst), SL DI Siegfried Sauermoser (WLV Sektion Tirol), Landesbaudirektor DI Robert Müller (Land Tirol, Gruppe Bau und Technik) sowie Mag. Thomas Figl (stellvertretend für Dr. Gunther Heißel, Landesgeologie Tirol). Ebenso hieß er FD a.D. DI Karl Bauer und FD a.D. Dr. Hubert Kammerlander, sowie Kollegen des Südtiroler Forstvereins herzlich willkommen.

 

Einleitend erklärte DI Christian Rickli den rund 130 erschienenen Zuhörern, dass mechanische bzw. hydrologische Waldwirkungen stark von der Art der Rutschprozesse (Gründigkeit) sowie dem auslösenden Ereignis (Niederschlagssumme und –intensität) abhängen. Am häufigsten treten oberflächliche Rutschungen (ca. 150-200 m³, max. 2 m tief) auf, meist in Gräben und konvexen bzw. intermediären Hanglagen bei Neigungen zwischen 30° und 40°. Längere Niederschlagsereignisse lassen Rutschungen sogar bereits ab 20° Hangneigung zu und führen auch zu größeren Abtragsmengen. Hier kann der Wald mit seiner Durchwurzelung viel nützen.

 

Der Wald hält noch zurück, wo bei gleicher Neigung im Freiland bereits eine Rutschung einsetzt. Da der Wald verschiedene Altersstadien durchläuft, gilt das nicht für die gesamte Umtriebszeit. So wurde festgehalten, dass Wälder mit vielen bzw. großen Lücken (Nutzung, Schadereignis) mit standortsfremder Baumartenzusammensetzung und instabilem Bestandesgefüge weit mehr Rutschungen aufweisen als jene mit besseren Waldzuständen. Der Zeitpunkt der Verjüngungseinleitung spielt daher bei der Rutschungsprävention eine maßgebliche Rolle, speziell in Schutzwäldern, wo ein dauernder Deckungsgrad wünschenswert wäre. Speziell im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels (vermehrte Trockenheit, weniger Schmelzwasser durch erhöhte nasse Niederschläge im Winter) kommt dem naturnahen, vorausschauenden Waldbau mehr Bedeutung zu.

 

Podiumsdiskussion

Nach dem Klären von Verständnisfragen, gaben alle Sprecher der Podiumsdiskussion ihren Eindruck zum Thema ab:

FD DI Josef Fuchs bestätigte das vorgetragene Gesamtbild, die Ergebnisse bilden praktische Erfahrungen ab. Der Zustand des Waldes hat viel Einfluss auf Rutschungen, was für eine aktive Forstwirtschaft spricht. Erwartungen an den Wald sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen, dadurch auch das Schadenspotential durch die höhere Frequenz von Erholungssuchenden. Ebenso geben die Folgen des Klimawandels Anstoß dazu, dass langfristiges Denken in der Bewirtschaftung von Waldökosystemen essentiell ist.

BD DI Robert Müller bemerkt dazu, dass Infrastrukturen durch Naturgefahren gefährdet sind. Die Besiedlungsentwicklung schreitet voran (längen-, flächenmäßig), ebenso wie die Verkehrszahlen. Es kommt zu scheinbaren Erhöhungen der Bedrohungsfälle durch die plakative Medienlandschaft, welche Fälle vermehrt hochstilisieren. Auch wenn gute Infrastrukturprogramme verfolgt werden, sinkt die Toleranz dafür, sowie parallel dazu die Anerkennung der Gefahren einer Hochgebirgslandschaft schwindet.

Mag. Thomas Figl sieht das Gefährdungspotential erhöht. Zwar hat sich die Anzahl langfristig nicht erhöht, kurzfristig in den letzten Jahren jedoch schon. Die Verteilung von Rutschungen zeigt sich in unserer landesgeologischen Praxis. Der Untergrund eines Standortes spielt natürlich eine maßgebliche Rolle bei Hangrutschungen, da die Niederschlagsempfindlichkeit davon abhängt.

SL DI Siegfried Sauermoser sieht zum Ersten, dass mittel- & tiefgründige Massenbewegungen vom Wald nicht verhindert werden können. Entscheidend für Schutzwälder ist die Durchwurzelungstiefe, weshalb tiefer wurzelnde Baumarten hier wünschenswert wären. Zweitens gab es im Unterland in den letzten Jahren viele Rutschungen. Infrastrukturen waren dabei vermehrt der Grund für oberflächliche Massenbewegungen (z.B. unterhalb von Forststraßen). Bei der Planung solcher Infrastrukturen muss die standortsgerechte Entwässerung bereits berücksichtigt werden.

 

In weiterer Folge wurde unterstrichen, dass bei der Verjüngung von rutschungsgefährdeten Blößenflächen auf eine flächendeckende Verteilung von Tiefwurzlern zu achten ist. Erhöhte Abflüsse können über standortsgerechte, bewirtschaftete Mischwälder verhindert werden. Der heutige Vortrag unterstützt diese Richtung. Um auch die Akzeptanz der Gesellschaft erhalten zu können ist vor allem aufschlussreiche Argumentation der Sachverständigen gefragt. Den vermehrt aufkommenden „Natursuchenden“ zu begegnen, die Ansprüche auf den Schutzwald stellen, bedarf es allerdings noch an erweitertem Dialog zwischen Land Tirol, WLV und Interessensvertretern wie z.B. dem ÖAV, u.a. um das erhöhte Schadenspotential durch die steigende „Besucherfrequenz“ im Wald verringern zu können.

 

Als bindende Grundlage für die weitere Entwicklung der Siedlungsgebiete gibt es die Gefahrenzonenplanung, die spätestens 2015 tirolweit fertig sein soll. In den roten Zonen darf es keine neuen Baubestrebungen geben, bestehende Gebäude können jedoch verbessert gesichert werden. Gelbe Gefahrenzonen sind zurzeit nicht begehrt für Bauten, jedoch kann man dort sehr wohl trotz Gefahrenpotential ebensolche zulassen. Aufgrund des beschränkten potentiellen Siedlungsraumes in Tirol ist das für das Bewusstsein der Gefahrenzonen wichtig. Der Siedlungsdruck in nicht erschlossene Gebiete ist derzeit allerdings nicht hoch.

 

In den abschließenden Kommentaren stand für alle Sprecher der Podiumsdiskussion fest, dass auch ein gepflegter Wald nicht absoluten Schutz vor Muren geben kann. Aufgabe der öffentlichen Hand sollte es demzufolge sein, den Waldbesitzern/innen zur Herstellung standortsgerechter, stabiler Waldzustände finanzielle Unterstützungen zur Verfügung zu stellen. Eine vorausschauende Gefahrenminimierung setzt auch ein kompromissbereites Herangehen von WLV und Land Tirol voraus. Gemeinsames Ziel ist es somit unsere Lebensräume kleinräumig und längerfristig zu schützen; verhindern können wir sie nicht.

 

Vortrag des Referenten Christian Rickli - WSL