Impressionen Südpolen Ostslowakei (Fotos: F. Rauter und B. Delong)

 

REISEBERICHT

 

Einen regen Zuspruch bewirkte auch das heurige Reiseziel. Mit 37 Teilnehmern komplett ausgebucht startete die Gruppe unter Leitung von Bernhard Delong am 8. Juni 2013 zur großen Studienreise in die nördlichen Landschaften der ehemaligen österreich-ungarischen Monarchie. Nach einem bequemen Flug von Innsbruck über Wien erreichten wir schon am frühen Nachmittag Krakau. Vom zentral gelegenen Hotel aus konnten wir bei einem Rundgang noch bis zum Abend unter örtlicher Führung einen guten Teil der Altstadt rund um die Marienkirche kennenlernen.

Der nächste Tag war ganz den Krakauer Sehenswürdigkeiten gewidmet: Kathedrale und Königschloss Wawel, die Sukiennicen (Tuchlauben) mit dem unterirdischem Ausgrabungsmuseum, am späteren Nachmittag der Stadtteil Kazimierz mit Besuch einer jüdischen Synagoge mit Friedhof und einem originalen Abendessen in besonderer künstlerischer Atmosphäre mit jüdischer Küche und Klezmer-Musik.

Der dritte Tag führte uns in das nahe gelegene Salzbergwerk Wieliczka (UNESCO Welterbe), wo wir in über 130 m Tiefe durch aus dem Salzstein gehauene Säle, Kapellen und Skulpturen wanderten. Den Nachmittag verbrachten wir in der Oberförsterei Niepolomice, wo uns die Kollegen im Auwaldbereich die Umwandlung von Kiefernbeständen aus der Österreichzeit in Eichen-Hainbuchenbestände vorführten und wir auch einen kurzen Abstecher in eine Urwaldzelle unternahmen, von wo uns die Gelsen bis zurück in den Bus verfolgten. Für Entspannung sorgte ein vorbereiteter Mittagsgrill auf einem Waldrastplatz. Zum Abschluss des Tages waren wir zu einem Gespräch mit dem Vizepräsidenten Trzmiel im Rathaus eingeladen, wofür die Stadtpartnerschaft mit Innsbruck und Freundschaft mit unserem Vizebürgermeister a.D. Sprenger motivierte.

Am vierten Tag bewältigten wir die Strecke von Krakau nach Przemysl, hart an der ukrainischen Grenze. Die ca. 250 km unterteilten wir durch eine Kaffeepause am mittelalterlichen Marktplatz der Stadt Rzeszów.

In Przemysl gelang uns noch – nach einem bestellten Kurzmittagessen – die Besichtigung der Altstadt mit ihrem Flair aus der Zeit der Monarchie. Der österreich-ungarische Soldatenfriedhof auf dem Hügel und ein Kurzbesuch in einem Festungswerk (Fort Werner) außerhalb der Stadt erinnerten uns an die Bedeutung als Festung an der russischen Front im 1. Weltkrieg mit einer Garnison von 130.000 Mann und letztlich zigtausenden Gefallenen.

Richtig erholsam war danach die Übernachtung im Schlosshotel Zamkowy in Krasiczyn, ausgesucht von unserer landeskundigen Teilnehmerin Maryla Sprenger, die uns aufgrund ihrer Abstammung und Sachkenntnis bei der Planung und Durchführung des Reiseprogramms für Polen sehr unterstützt hat.

Am Morgen des fünften Tages hatten wir Gelegenheit, den Natur-Schlosspark zu durchstreifen und mit einer Führung die Architektur des Schlosses aus dem 16./17. Jahrhundert (besonders aber auch die noch großen Restaurationsvorhaben) zu erleben. Danach wandten wir uns in Richtung Slowakei und statteten auf dem Wege der Oberförsterei Bircza einen Besuch ab. Nach Einführung in die „Waldschule“ (mit aufschlussreicher Ausstellung der Wildtiere) unternahmen wir eine Fahrt durch ausgedehnte Verjüngungsbestände von Tanne, Fichte, Buche und genossen schließlich in einem aus kommunistischer Zeit sehr bekannten Jagdhaus einen Mittagsimbiss.

Durch den Genuss der Räucherforelle stark verspätet erreichten wir über Sanok und den Dukla-Pass die Grenze, wo die slowakische Fremdenführerin auf uns wartete. Das Kriegsgeschehen gegen Ende des 2. Weltkriegs im Bereich des Dukla-Passes begleitete uns dabei in Form von Denkmälern: Verrostete Panzer und Geschütze aufgestellt im Gelände neben der Straße.

Zufolge der fortgeschrittenen Zeit war der vorgesehene Besuch der UNESCO-Holzkirche in Bodruzal nicht mehr möglich und auch in unserem Zielort Bardejow ging sich nur noch ein Stadtrundgang aus. Ein Blick auf die kleine Stadt und das hügelig-wellige Land bot sich uns von unserem Hotel Bellevue oben am Berg.

Ein ereignisreicher sechster Tag begann in der zweitgrößten Stadt der Slowakei – Kosice (Kaschau), die europäische Kulturhauptstadt in diesem Jahr. Wir besuchten die Henkersbastei, Museum mittelalterlicher Foltermethoden und natürlich das Wahrzeichen der Stadt, den Dom der Heiligen Elisabeth, das östlichste Bauwerk Europas im gotischen Stil.

Auf der Fahrt in die Zips (im 13. Jahrhundert mit Deutschen besiedeltes Gebiet im Bereich der Hohen Tatra und östlich davon) störte ein Defekt am Bus unseren minutiösen Reiseplan. Wir konnten zwar Levoca (Leutschau) mit der Pfarrkirche St. Jakob besichtigen, der berühmte höchste gotische Altar der Welt war allerdings in Restauration und verhangen. Die mächtige Zipser Burg sahen wir allerdings nur vom Tal aus hoch droben auf dem Travertin-Felsen liegen. Nach kurzer Reparaturzeit in Poprad (Deutschendorf) konnte uns Busfahrer Robert noch zeitgerecht im Hotel Patria in Strbske Pleso (Tschirmer See) am Fuß der Hohen Tatra abliefern.

Der siebte Tag war ganz dem Nationalpark Hohe Tatra gewidmet, das Wetter freundlich. So konnten wir mit den ersten Gondeln die zwei Teilstrecken von Tratanska Lomnica zur Lomnitzer Spitze (2.632 m) überwinden und trotz aufsteigender Nebelfetzen ein herrliches Hochgebirgspanorama und die Fernsicht in das flache Land erleben. Die riesigen Windwurfflächen von 2004 (eine Schneise von 30 km Länge und 3 km Breite) und die Käferschäden in den noch stehen gebliebenen Beständen waren den ganzen Tag unser Thema. Von den ca. 2 Mio. Festmeter Wurfholz durften rund 600.000 Festmeter aus Naturschutzgründen nicht aufgearbeitet werden. Ein Kollege der staatlichen Forstverwaltung im Nationalpark stellte sich nachmittags im Gelände der Diskussion. Erfreulicherweise sind heute nach 9 Jahren große Teile (ca. 6.000 ha) durch Natur und Pflanzung wiederverjüngt.

Am späten Nachmittag gelang uns noch eine Kurzbesichtigung der kleinen Bezirksstadt Kezmarok (Käsmark) und der Artikularkirche mit ihrer atemberaubenden barocken Holzkunst im Inneren. Auf der Durchfahrt waren auch noch einige Minuten übrig für das mittelalterliche Stadtensemble von Spisska Sobota (Georgenberg) mit der St. Georgs-Kirche, heute ein Stadtteil von Poprad (Deutschendorf).

Am achten Tag verließen wir morgens die Slowakei in Richtung Polen auf der Route über die alten Touristenorte (wie z.B. Altschmecks – Stary Smokovec), trennten uns von unserer bewährten Fremdenführerin Zuzana Gasparová kurz vor der Grenze und erreichten unser Hotel in Zakopane. Noch vormittags fuhren wir zum Forstprogramm in der Oberförsterei Novy Targ. Im Naturschutzgebiet Bór na Czerwonym wanderten wir durch mittelstarke Bestände der Podhale Kiefer und über bequem angelegte Holzstege zu einem ausgedehnten Hochmoor. Nach einem gemütlichen Mittagessen in einem Waldgasthof fuhren wir durch malerische Dörfer mit viel Holzarchitektur (wie z.B. Chocholów) zurück nach Zakopane. Das Abendessen in unserem Hotelrestaurant im hölzernen „Almstil“ war untermalt von der typischen Musik eines Goralen-Quartetts.

Am letzten Tag hatten wir noch vor der Abreise Zeit für einen Bummel durch die Fußgängerzone von Zakopane. Am Weg zum Flughafen von Krakau machten wir Halt im Benediktinerkloster Tyniec und feierten im großen, grob renovierten Speisesaal mit einem letzten gemeinsamen Mittagessen Abschied.

Um 15.20 Uhr hoben wir vom polnischen Boden ab und landeten mit Umsteigen in Wien um 18.15 Uhr wohlbehalten in Innsbruck.

Bernhard Delong

 

 

Fotos von F. Rauter und B. Delong