Baltíkum 2014

Bilder: B. Delong, F. Rauter

 

Forstliche Studien- und Kulturreise 2014 - BALTIKUM

13. – 22. Juni 2014

Reisebericht

 

Mit 40 reiselustigen Mitgliedern des Tiroler Forstvereins machte sich unser Tourmanager Bernhard Delong auf den Weg in den europäischen Norden. Mit viel Natur und Kultur erlebte die Gruppe die Mitsommernacht in den aufstrebenden baltischen Staaten, die seit 2004 Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft sind.

 

Ausgangs- und Endpunkt der achterförmigen Rundreise war Riga (Bild 1), das wir mit Air-Baltic von München aus (2) noch vor Mitternacht erreichten, empfangen durch die lettische Reiseleiterin Ineta und den Busfahrer Igor.

 

Der erste Reisetag führte uns in den Süden nach Vilnius, Hauptstadt der Litauischen Republik. Auf dem Weg dorthin stiegen wir im Schloss von Jelgava (D: Mitau) hinab in die Grabkammer der kurländischen Herzöge und standen staunend vor den pompösen, aber leeren Sarkophagen (3). Zum prächtigen Barockschloss Rundale (D: Ruhenthal) (4) in der Nähe mussten wir zum ersten Mal (in der Folge allerdings fast jeden Tag) die Regenschirme benutzen. Schon im litauischen Gebiet „bestiegen“ wir den „Berg der Kreuze“ (5) bei Siauliai, der mit tausenden Devotionalien vollgestopft ist, ein Wallfahrtsort besonders auch für Brautleute!

 

Der nächste Vormittag war zur Gänze der Stadtbesichtigung gewidmet. Vilnius präsentierte sich als die „Stadt der Kirchen“. Wir schritten auch durch das Tor der Morgenröte, über dessen Bogen die barmherzige Muttergottes verehrt wird (7). Auch an zahlreichen Profanbauten (wie das Rathaus) (6) führte unser Rundgang vorbei.

 

In der Seenlandschaft westlich von Vilnius besuchten wir die Wasserburg Trakai (8), im 13. Jahrhundert Sitz des Großfürstentums. Am Abend gelangten wir nach Kaunas (9). Zum Abschluss des Tages noch ein beschaulicher Spaziergang am Ufer des Nemunas (D: Memel) in der Nähe des Zusammenflusses mit der Neris (10, 11), aber auch ein Streifzug durch die vom studentischen Leben pulsierenden Straßen der Altstadt.

 

Nach einem Stadtrundgang am nächsten Morgen durchquerten wir Litauen bis Klaipeda (D: Memel), heute wichtige Hafenstadt mit nur wenigen Relikten aus alter Zeit, und begaben uns auf die Fähre (12), die uns auf die Kurische Nehrung übersetzte. Wir durchfuhren den lange, schmalen Landstreifen zwischen Ostsee und Kurischem Haff bis in die Nähe der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad (D: Königsberg) und bestiegen dort die Parniddener Düne (13) mit weiter Aussicht in die Sandlandschaft (14). Unser solides Hotel Nidos Smirté lag inmitten der bunten Fischer- und Freizeithäuschen von Nida (D: Nidden) mit weitem Blick auf das Kurische Haff (15).

 

Am Morgen des fünften Tages führte uns die Direktorin des Nationalparks Kurische Nehrung, Frau Aušra Feser (16) auf einen Kurzausflug in einen ortsnahen Teil des Schutzgebietes. Neben ausführlichen, in bestem Deutsch vorgetragenen Erklärungen zum Nationalpark zeigte sie uns eine kleine Besonderheit: einen evangelischen Friedhof mit etlichen Namen Zillertaler Vertriebener. Ein Bernsteinladen mit Verkostung eines Bernsteinlikörs (17) war hernach die Sensation und ließ nur noch wenig Zeit für einen Abstecher zum Haus des Schriftstellers Thomas Mann auf einen Hügel mit großartigem Blick auf das Haff (18). Bevor wir die Nehrung Richtung Norden verließen, stiegen wir kurz in eine der riesigen Flächen, wo 2006 230 ha und im Frühjahr 2014 nochmals 130 ha der für die Befestigung der Sanddünen so wichtigen Latschenbestände verbrannt waren. Inzwischen sind große Teile wieder mit Weißkiefer und Birke aufgeforstet (19).

 

Die weitere Fahrtstrecke von Klaipeda nach Riga unterbrachen wir nur noch in Palanga. Das in einem Palais (20) eingerichtete Bernsteinmuseum bot Einblicke in die Geschichte, die vielfältigen Formen und Verwendungen dieses edlen Harzes (21).

 

Abends erreichten wir Riga und bezogen im Hotelturm des Radisson Blu (22) mit 24 Stockwerken Quartier für die nächsten zwei Nächte, begeistert vom Rundumblick auf die Kulturhauptstadt Europas 2014 (23).

 

Am Vormittag des sechsten Tages durchstreiften wir das Jugendstil-Viertel (24) mit seiner erstaunlichen Vielfalt in der Architektur dieser Epoche, beeindruckend auch die Bauschätze der Altstadt (25), die zum Teil in der Kriegs- und Sowjetzeit zerstört und wieder rekonstruiert worden sind.

 

Der Nachmittag war ganz dem Forstprogramm gewidmet: Im Naturpark von Tervete (südwestlich von Riga) empfing uns Tomass Kotovičs, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei den Lettischen Staatsforsten und vermittelte uns (übersetzt durch unsere Reiseleiterin Ineta) (26) einen umfassenden Überblick: Lettland hat 52 % Wald (in den letzten 60 Jahren verdoppelt), 50 % Staatswald (1,4 Mio. ha mit 5,5 Mio. FM Einschlag), Kiefer 48 %, Fichte 24 %, Birke 20 %. Nach einem üppigen Lunch (27) beim Parkgasthaus durchwanderten wir den Naturpark mit seinen zahlreichen Erholungseinrichtungen. Vom überwiegend hölzernen Aussichtsturm (28) konnten wir einen Rundumblick über das weite Land werfen (29, 30).

 

Am Donnerstag, 19. Juni von Riga nach Estland:

Wenige Kilometer nordwestlich der Stadt wanderten wir im Gauja-Nationalpark auf einem „Trail“ bei Ligatne, vorbei an verschiedenen Gehegen mit Bär, Luchs, Elch etc. Mit 920 km2 ist dieser Nationalpark der größte Lettlands, gegründet in der sowjetischen Zeit 1973. Weiter in Richtung Grenze besuchten wir die Forstbaumschule Strenči. Nach einer Stärkung mit „workers lunch“ führte uns der Leiter Janis Zvejnieks (31) durch die weiten Anlagen, Treibhäuser und Werkshallen (32). Sogar das lokale Fernsehen interessierte sich für die Besucher aus Österreich (33). Die Kollegin Gunta Dudele von den Lettischen Staatsforsten marschierte abschließend mit uns (unter Regenschirmen) durch den Auwald entlang des Gauja-Flusses (34). Am Abend bezogen wir Quartier in Tartu (früher Dorpat), Estland. Vor dem Abendessen in einem typischen Restaurant erlebten wir eine kurze Aufführung einer Volkstanzgruppe.

 

Von starken Regengüssen geweckt begaben wir uns am achten Tag auf einen Rundgang durch die Altstadt von Dorpat (35), dessen berühmte Universität 1732 vom Schwedenkönig Gustav Adolf II gegründet worden war. Beeindruckend die riesigen Ruinen der Domkirche (13./16. Jahrhundert) auf dem Domberg. Bei unserer Mittagsrast am Ufer des Peipus-Sees (größter See des Baltikums) im kleinen Fischerdorf Mustvee konnten wir im Dunst über dem Wasser die Grenze zu Russland erahnen (36). Die imposanten Ruinen der Ordensburg von Rakvere (37) hoch über der kleinen Stadt, eroberten wir im Sprint, um noch rechtzeitig am späten Nachmittag den Nationalpark Lahemaa an der Küste des Finnischen Meerbusens zu erreichen. Das Forstmuseum im alten Gutshof von Sagadi (38) (Leiterin Krista Keedus) erwartete uns mit informativen Exponaten und Arrangements. Vom Kollegen Rainer Laigu erhielten wir eine kurze Präsentation über die Estnischen Staatsforste: Estland hat 51 % Wald, 41 % Staatsforste, 35 % gehören privaten Personen. Einen Spaziergang durch das Fischerdörfchen Altja (39) mit einem Blick auf die Steinfindlinge im ufernahen Meer (40) rundete das Programm des langen Tages ab. Das Hotelquartier im frisch (mit EU-Mitteln) erneuerten Gutshof Vihula Manor (41) war der gastronomische Höhepunkt der ganzen Reise. Die abendlichen Spaziergänge im weiten Park bleiben in starker Erinnerung.

 

Der Samstag, 21. Juni begann mit dem Besuch des Naturzentrums Oandu im Nationalpark Lahemaa. Dieser Nationalpark ist 1971 als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet worden und umfasst 725 km2 (einschließlich 250 km2 im Meer). Landschaftlicher Höhepunkt war für uns die Führung durch das Moor Viru Raba (42) (einen vor 5.000 Jahren verlandeten See) mit einem Rundblick vom Aussichtsturm (43) auf tiefblaue Wässer und vielfältig gefärbte Vegetation (44). Ein eisiger Graupelschauer beendete allerdings unseren Genuss.

 

Der frühe Nachmittag war der Hauptstadt Tallinn (D: Reval) gewidmet. Nach einer Fahrt entlang des Hafens (45) bis zum Sängerstadion, wo die Esten 1988 mit ihren Liedern gegen die Sowjetherrschaft demonstriert hatten, landeten wir auf dem Domberg und erwanderten die zahlreichen Kulturdenkmäler der mittelalterlichen Hansezeit von der Oberstadt in die Unterstadt (46). Tallinn war an diesem Samstag, dem 21. Juni voll mit Touristen (Kreuzfahrtschiffe lagen im Hafen), die die Mitsommernacht in der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2011 erleben wollten. Es war kein Leichtes, unsere Gruppe durch die Menschenmassen zu schleusen (47).

 

Abends erreichten wir Pärnu, den Badeort südlich von Tallinn mit unserem Hotel direkt am Strand. Unser Mitsommernachtserlebnis war leider ein wolkenverhangener, regnerischer Himmel (48). Trotzdem wurde der Abschiedsabend in bester Stimmung im Hotel gefeiert, mit Dankesreden an unsere umsichtige Fremdenführerin Ineta, den verlässlichen Fahrer Igor und den Reiseorganisator Bernhard.

 

Am Sonntag, 22. Juni hatten wir nur noch ein Ziel: Flughafen Riga, Rückflug mit Air-Baltic (49) um 16.35 Uhr nach München mit beachtlichem Übergepäck durch die Masse an Erinnerungen an die vielfältigen Erlebnisse im Baltikum.

 

Bernhard Delong

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