Österreichische Forsttagung 2015

Naturschutz im Wald – zwischen Fremdbestimmung und Selbstverständlichkeit“

Mit diesen oft konfliktreichen Beziehungen zwischen Naturschutz und Waldbewirtschaftung beschäftigte sich die Österreichische Forsttagung am 11. und 12. Juni 2015 in St. Johann im Pongau. Rund 250 Forstleute, Waldbesitzer und Freunde des Waldes besuchten die Tagung. Veranstaltet wurde sie vom Österreichischen Forstverein in Zusammenarbeit mit dem Forstverein für Oberösterreich und Salzburg. Neben dem fachlichen Bereich, bestehend aus Vorträgen und Exkursionen zum Tagungsthema, war auch ausreichend Gelegenheit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

„Der Naturschutz ist sehr oft eine große Herausforderung an alle, die mit der Bewirtschaftung des Waldes betraut sind. Der Gedanke Natur schützen zu müssen, ist heute weit verbreitet, ist gesellschaftlich akzeptiert. Wenn es aber dann darum geht, wie etwas geschehen soll, gehen die Meinungen auch unter Experten oft auseinander“, so DI Mag. Johannes Wohlmacher, Präsident des Österreichischen Forstvereins. „Von aktiven Eingriffen, um bewusst zu verändern, bis hin zum Zulassen einer vom Menschen unbeeinflussten Entwicklung reicht die Palette an Vorschlägen, mit denen man als Eigentümer und Waldbewirtschafter konfrontiert wird. Der Gedanke der Fremdbestimmung steht damit unweigerlich im Raum, genauso wie jener der Rechtfertigung für die Wünsche des Naturschutzes. Gleichzeitig geschieht vieles im Wald mit großer Selbstverständlichkeit, ohne großes Aufsehen, ohne entsprechendes Marketing. Da sind Waldeigentümer, die Flächen still legen oder Biotope im Wald schaffen, da wird mit großer Sorgfalt auf Moore geachtet und Vieles mehr“, lobt der Präsident die freiwilligen Leistungen der Waldbesitzer.

Den Vortragsblock eröffnete Mag. Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. Er betonte, dass es neben dem konfliktträchtigen Thema Natura 2000 auch gemeinsame Themen, wie die Energiewende und das Bekenntnis zur Verwendung von Holz, oder der Lenkung der Waldnutzer im Sinne des Naturschutzes, gibt. Auch die dauerhafte Sicherung der Naturwaldreservate muss ein gemeinsames Anliegen bleiben.

Forstwirtschaft im Spanungsfeld des Naturschutzrechts

Univ.-Prof. Dr. Gottfried Holzer beleuchtete die rechtlichen Aspekte des Naturschutzes und zeigte auf, dass durch Naturschutz und vor allem durch Natura 2000 eine massive Beeinträchtigung der Waldbewirtschaftung erfolgt. „Das Spannungsfeld wird zusätzlich strapaziert, da gemeinschaftliche Grundlagen oft unklar sind, die Umsetzung in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird und Grundeigentümer unzureichend informiert bzw. eingebunden werden. Weiters lassen die Gesetzestexte oft einen breiten Spielraum zur Interpretation. Abgerundet wird das Spannungsfeld durch Rechtsunsicherheit betreffend Entschädigung von Vermögensnachteilen“, fasste Holzer zusammen.

Naturwaldreservate-Programm – Resümee nach 20 Jahren

In der Raidinger Deklaration bekannte sich der Österreichische Forstverein zur Wichtigkeit von Naturwaldreservaten, steht aber auch einer verstärkten nachhaltigen Nutzung von Holz zum Wohle der Gesellschaft positiv gegenüber. DI Dr. Georg Frank, der Leiter des Fachausschusses für Waldbau und Naturschutz im Österreichischen Forstverein, präsentierte interessante Ergebnisse aus 20 Jahren Forschung des Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). „Die Etablierung von Naturwaldreservaten ist verhältnismäßig einfach. Ein Erfolgsfaktor ist die Einbeziehung der Eigentümer. Jedoch ist die Erhaltung solcher Gebiete schwierig. Daher sollten auch in Zukunft die dafür notwendigen Ressourcen sichergestellt werden, um weiterhin Forschung betreiben zu können“, appellierte Frank abschließend.

Klimawandel beeinflusst massiv die Biodiversität und Holzaufkommen

Dr. Thomas Geburek, ebenfalls BFW, konnte mit dem Anfang 2015 erstmals veröffentlichten Biodiversitätsindex Wald zeigen, dass die Biodiversität im Wald sehr hoch ist und es eine positive Entwicklung gibt. „Die Gesellschaft fordert mehr Biodiversität. Dabei darf in der Debatte um Biodiversität der Klimawandel als wesentlicher Einflussfaktor nicht außer Acht gelassen werden, damit auch in Zukunft ausreichend Holz zur Verfügung steht“, machte Geburek aufmerksam.

Holzverwendung ist aktiver Klima- bzw. Naturschutz und bindet Arbeitsplätze

Im Zuge der nachhaltigen, multifunktionalen Waldbewirtschaftung – welche auch Naturschutzaspekte inkludiert – wird ein wertvoller Rohstoff zur Verfügung gestellt. Ein m³ Holz speichert rund eine Tonne CO2. Je mehr Holz verbaut und verwendet wird, desto mehr CO2 wird der Atmosphäre langfristig durch Speicherung aber auch durch Substitution anderer Baumaterialien entzogen und trägt somit positiv zum Klimaschutz bei. Zusätzlich wird die regionale Wertschöpfung gesteigert und Arbeitsplätze gesichert. Daher hat auch der Vorstand des Österreichischen Forstvereins geschlossen die Charta für den Holzbau der Kooperationsplattform Forst-Holz-Papier unterschrieben.

Sicherheit im Wald für Alle

Die von einer lautstarken Gruppe angestrebte generelle Öffnung der Forststraßen und Wanderwege für Mountainbiker gefährdet die Sicherheit und Qualität des österreichischen Waldes auch als Erholungsraum für alle. Präsident Wohlmacher: „Entsprechend seinem Leitbild trägt der Österreichische Forstverein Verantwortung für den Wald und gibt diesem eine Stimme – unabhängig und lösungsorientiert. Die Lenkung der zahlreichen Anforderungen unserer Freizeitgesellschaft vom Drachenfliegen über Geocatching bis hin zum Mountainbiken im Wald ist dringlicher denn je. Dies funktioniert nur, wenn auch das Mountainbiking in Zukunft nicht generell im Wald freigegeben ist, sondern auf naturverträglichen Routen, auf vertraglicher Basis, weiterhin möglich ist. Wo zusätzlicher Bedarf an Routen artikuliert wird, soll diesem auf natur- und umweltverträglicher Weise nachgekommen werden“, Daher startet der Österreichische Forstverein mit dem heutigen Tag die Petition „Sicherheit im Wald für alle“, so der Präsident abschließend.

 

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Alle Vorträge der Österreichischen Forsttagung 2015 stehen unter: http://www.forstverein.at/de/forsttagung-2015/ zum Download bereit. Die nächste Österreichische Forsttagung wird im Juni 2016 in Tirol, Kufstein, abgehalten werden.