Bildergalerie zum Frühjahrsvortrag

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Frühjahrsvortrag 2015

Ende der 90er Jahre wird der Wald aufgrund der Speicherung von Kohlenstoff als CO2 Senke definiert. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse heute zeigen, dass er jedoch nicht in jeder seiner Entwicklungsphasen mehr Kohlendioxid bindet als abgibt. Im Rahmen der Vortragsveranstaltung des Tiroler Forstvereins Ende Februar veranschaulichte Waldbauprofessor DI Dr. Hubert Hasenauer, dass der Wald generell als kohlenstoffneutral anzusehen ist. Nachhaltige Waldwirtschaft kann das Klima aber schützen.

Unter dem Titel „Der Wald als Geheimwaffe gegen den Klimawandel – Außernutzungstellung und CO2-Senke“ lud der Tiroler Forstverein am 27.02.2015 zur jährlichen Informationsveranstaltung im Landeskultursaal der Landwirtschaftskammer Tirol in Innsbruck. DI Dr. Hubert Hasenauer, Universitätsprofessor vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur Wien, referierte vor rund 70 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern über das Speicherpotential von Kohlenstoff im Ökosystem Wald. Dabei kam er zum Schluss, dass „der Wald auf den Klimawandel bezogen als kohlenstoffneutral betrachtet werden muss.“

Präsentation Hubert Hasenauer

Veränderung der Atmosphäre parallel zur weltweiten Waldflächenabnahme

Eine maßgebliche Rolle im Kohlenstoffhaushalt spielt die Atmosphäre. Neben Ozeanen und Gletschern beeinflusst die Vegetation maßgeblich das Klima. Das zusätzliche CO2 in der Atmosphäre wurde vom Menschen durch die Industrialisierung, die Verbrennung von fossilen Brennstoffen sowie durch den andauernden weltweiten Verlust an Waldfläche hervorgerufen. Rund 55 % dieser Emissionen wird in den Weltmeeren bzw. der Vegetation erneut gebunden, 45 % dieses CO2’s verbleibt in der Atmosphäre. Der Wald allein bindet große Mengen Kohlenstoff (aktuell rund 800 Mio t in Österreich). Speziell bei naturbelassenen Wäldern entsteht der Eindruck, erheblich zur Bindung von CO2 beizutragen, da die Bäume nicht als Biomasse entnommen werden und somit am Ort verbleiben.

Der Wald speichert Kohlenstoff im natürlichen Kreislauf

Während sich die Jungwaldphase neutral auf die CO2 Bilanz auswirkt, dient die Bestandesoptimalphase (ca. 150 Jahre) bereits als Senke, das heißt es wird mehr CO2 gebunden als abgegeben. Dabei wird in etwa die Hälfte des CO2’s oberidisch (Stämme, Zweige, Blätter, usw.) gebunden, der Rest wird im Boden (Wurzeln, Humus, Mineralboden…) eingelagert. Zerfallen die Waldbestände mit dem Alter oder wird der Wald von Wind oder Borkenkäfer geschädigt, wird wieder mehr CO2 in die Atmosphäre abgegeben. DI Dr. Dieter Stöhr, stellvertretender Leiter der Abteilung Forstorganisation im Land Tirol und Waldökologiereferent an der Universität Innsbruck, bemerkt dazu, dass auf ökologisch sensiblen Waldstandorten (z.B. auf Karst) die Kohlenstoffspeicher des Bodens durch unsachgemäße Waldnutzung stark reduziert werden können (Humusschwund). Durch die Weiterverwendung von Holz als Baustoff kann eine längere Bindung des Kohlenstoffes erreicht werden, als dies bei einem sich selbst überbelassenen Wald an Ort und Stelle der Fall wäre. Die Nutzung und Verwendung von Holz ist daher sinnvoll. „Wald ist somit über seinen ganzen Lebenszyklus betrachtet CO2 neutral und hilft mit den CO2 Ausstoß positiv zu beeinflussen.“ so Hasenauer.

 Kohlenstoffermittlung und darauf basierendes fachgerechtes Handeln

Der Zeithorizont hat einen bedeutenden Einfluss darauf, ob ein Wald als CO2 Quelle oder Senke gesehen wird. Neben der zeitlichen Komponente ist auch der Waldtyp zu berücksichtigen. Die CO2 Bindung von Waldgebieten ist abhängig von Baumart, Boden und Klimaparametern. DI Dr. Roland Stern, ehemaliger Leiter der Subalpinen Waldforschung am Bundesamt für Wald, ergänzt dazu, dass ein zusätzliches Potential möglicherweise darin liegt, bei der Verjüngung bewusst die physiologisch richtigen Baumarten auszuwählen. Erfahrungsgemäß ging der Trend in der Vergangenheit zu Nadelhölzern, was z.T. nicht standortsgerecht ist. DI Kurt Ziegner, Präsident des Tiroler Forstvereins, sieht einen Bedarf darin, noch intensiver eine themenübergreifende Forschung für dieses Thema voranzutreiben. Insbesondere die Auseinandersetzung mit den Kritikern einer verstärkten Waldwirtschaft sei notwendig, um gemeinsam Strategien gegen den Klimawandel zu entwickeln.

Fünfte Waldfunktion „Kohlenstoffspeicherung“?

Neben der Nutz- & Schutzfunktion sowie der Wohlfahrts- & Erholungsfunktion geht der europäische Trend zur Außernutzungstellung von Wald, was zur Folge hat, dass die Waldwirtschaft auf der verbleibenden Fläche intensiviert wird. Es wird sich noch zeigen, ob sich die Kohlenstoffspeicherung als mögliches Bewirtschaftungsziel etablieren wird.