Forstliche Studien- und Kulturreise 2018

Studienreise des Tiroler Forstvereins nach Armenien und Georgien

Unter der Reiseleitung von DI Dr. Bernhard Delong machte sich eine 35-köpfige Gruppe auf nach Armenien und Georgien in den Kaukasus im äußersten Osten Europas. Beide Länder beherbergen zahlreiche herausragende Kulturgüter, die teils zum UNESCO Weltkulturerbe zählen, sind christlich geprägt und haben bewegte Geschichte.

Im 19-Jahrhundert gehörten sie zum russischen Kaiserreich. Aus dieser Zeit stammen noch zahlreiche Prunkbauten in den Hauptstädten. Nach den Wirren des ersten Weltkrieges und kurzer Unabhängigkeit folgte die russische Revolution und die Machtergreifung durch die Rote Armee. In der Folge herrschte Planwirtschaft. Staatliche gestützte Industriebetriebe entstanden, jeder hatte Arbeit, geringes Einkommen, Wohnmöglichkeit in einem „Plattenbau“ und eine medizinische Grundversorgung. Freiheiten gab es keine, ebenso nur ein äußerst eingeschränktes Warenangebot. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden beide Länder 1991 unabhängig. Es folgten schwere Zeiten. Die Energieversorgung brach zusammen, viele nicht profitable Industriebetriebe wurden eingestellt und stehen heute noch als Industrieruinen in der Landschaft. Die Wirtschaft beider Länder ist schwach – es gibt etwas Rohstoffnutzung und landwirtschaftliche Produkte werden teils nach Russland exportiert. Georgien profitiert zusätzlich von russischem Fremdenverkehr am Schwarzen Meer. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, eine soziale Absicherung fehlt vollständig, die Unzufriedenheit der Bevölkerung ist hoch. Deshalb wurde im Juni in Armenien die Regierung durch die Opposition zum Rücktritt gezwungen, in Georgien trat sie zurück. Es herrschen krasse Gegensätze zwischen Oligarchen und dem Großteil der armen Bevölkerung mit 300 € Monatsdurchschnittseinkommen. Die Armut am Lande beschleunigt den Zuzug in die Großstädte. Der Mittelstand fehlt völlig. Dies sind Gründe dafür, dass sich viele der älteren Generation die Sowjetzeit zurücksehnen, die jüngere Generation hingegen schätzt die gewonnenen Freiheiten.

Georgien mit der Größe von Bayern hat 4 Mio. Einwohner, wovon 1,2 Mio. in der Hauptstadt Tiflis leben. Tiflis ist eine Stadt der Gegensätze und ist multikulturell. Moderne Hochhäuser neben alten russischen Plattenbauten, Prunkbauten wie der Präsidentenpalast und hypermoderne Gebäude wie das Bürgeramt, die Musikhalle und die Fußgängerbrücke über den Fluss Kura prägen das Stadtbild. Das Kunstwerk genannt der „Toleranzbaum“ soll symbolisieren, dass unterschiedliche Religionen auf engem Raum friedlich existieren können. Es gibt islamische Moscheen, jüdische Synagogen und georgisch-orthodoxe Kirchen nebeneinander. Georgien ist insgesamt in der Entwicklung weiter als Armenien. Es ist stark nach Westen orientiert, was Russland ein Dorn im Auge ist. Überall wehen die EU-Fahnen, ein Assoziierungsvertrag mit der EU besteht. Es schwelen jedoch Konflikte mit Russland wegen Südossetien und Abchasien.

Armenien mit der Größe von Brandenburg hat 3 Mio. Einwohner, wovon 1,3 Mio. in der Hauptstadt Yerevan leben. Wesentlich mehr Armenier sind auf der ganzen Welt verstreut, besonders viele leben in der Türkei. Armenien ist isoliert, russische Truppen sind stationiert. Die politischen Spannungen sind ein Pulverfass. Die Grenzen zum südlichen Nachbarn Türkei sind geschlossen. Hier hat der Völkermord des osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg, dem 2 Mio. Armenier zum Opfer gefallen sind, tiefe nicht verheilte Wunden geschlagen. Schockierend ist die diesbezügliche Dokumentation in der Genozid-Gedenkstätte in der Hauptstadt. Zum nördlichen Nachbarn  Aserbaidschan    sind die Grenzen vermint. Hier schwelt der Konflikt um Berg Karabach, das beide Länder für sich beanspruchen. So gibt es offene Grenzen für Armenien nur in einem schmalen Abschnitt im Osten zum Iran, im Westen zu Georgien. Nach dem Regierungswechsel herrscht Aufbruchsstimmung und Hoffnung auf Besserung.

Reiseverlauf:

Jerevan und Umgebung:

Austrian Airlines brachte die Reisegruppe zunächst von Innsbruck  nach Wien, von dort ging es in einem dreieinhalbstündigen Flug nach Jerevan. Am ersten Tag stand eine Besichtigung einer der ältesten Hauptstädte der Welt am Programm. Beeindruckend war der Republiksplatz mit dem Regierungsgebäude und zahlreichen anderen Prunkbauten. Besonders im Gedächtnis bleiben werden die abendlichen Wasserspiele mit Lichteffekten und Musikbegleitung. Ein Spektakel, dem Tausende, vor allem junge Menschen beiwohnten. In der Umgebung von Jerevan wurde tags darauf die ehemalige Sommerresidenz des armenischen Königshauses in Garni besucht, wo zu Ehren des Sonnengottes Mithras ein hellennistischer Tempel erbaut wurde. Weiter ging die Fahrt zum Höhlenkloster Geghard, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Zuletzt wurde das Kloster Chor Virap besichtigt, in dem der hl. Gregor 15 Jahre lang eingekerkert war, bevor er zum christlichen Missionar Armeniens wurde. Jenseits der türkischen Grenze war der schneebedeckte hl. Berg Ararat (5100m) greifbar nahe.

Von Jerevan nach Tiflis und retour:

Auf dem Weg Richtung Nordwesten besuchten wir den Sevan-See, die blaue Perle Armeniens, der auf einer Landzunge das gleichnamige Kloster beherbergt. Vor der Nächtigung in Dilijan führte uns der Weg noch zum Kloster Haghartsin aus dem elften bis dreizehnten Jahrhundert. Die gemeinsame Pflanzung einer jungen Eibe mit dem dort aus Deutschland stammenden Abt wird alles in Erinnerung bleiben. Am Rückweg nach Jerevan , am letzten Tag, wurde noch das auf einem Felsplateau thronende Kloster Haghbat aufgesucht.

Tiflis und Umgebung:

Am Abend des 6. Tages stand ein Empfang im Rathaus von Tiflis auf dem Programm. Die Partnerstadt von Innsbruck bemüht sich intensiv,  die umgebenden Wälder als Erholungsraum für die Millionenstadt zu gestalten. Bei einem Stadtrundgang wurden zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie unter anderen die Altstadt mit der Metekhikirche, die heißen Schwefelquellen,  das Bürgeramt, der Präsidentenpalast und Kirchen verschiedener Konfessionen aufgesucht. Nahe Tiflis wurde auch die ehemalige Hauptstadt Mtskheta,mit der Kreuzkuppelkirche Dschwari sowie der Sveti Tskoveli Kathedrale besucht, anschließend die Höhlenstadt Uplistsikhe, die ihren Ursprung tausend vor Christus hat.

Wald, Natur und Landwirtschaft:

In beiden Ländern gibt es zahlreiche endemische Arten. Georgien kann als Geburtsland des Weines bezeichnet werden. Heute gibt es dort noch 500 Rebsorten. Obst und Gemüseanbau sowie Viehzucht in kleinstrukturierten Landwirtschaften dominieren.

In Jerevan fand am 2. Abend ein Treffen mit Vertretern der armenischen Forstorganisation statt. Hier wurde klar, dass eine planmäßige Forstwirtschaft erst im Aufbau ist, Brennholznutzung als Energieträger für die Bevölkerung dominant ist. Weiters wurde das größte Naturschutzgebiet Armeniens, das Chosrow-Reservat erwandert. Ebenfalls besichtigt wurde das forstliche Trainigslager Zikatar sowie am letzten Tag noch der Dendropark in Stepanavan. Georgien ist bei der Entwicklung einer naturnahen Waldwirtschaft mit auch österreichischer und deutscher Entwicklungshilfe einen Schritt weiter. Auch hier überwiegt aber noch die Brennholznutzung von 2,4 Mio. Festmeter pro Jahr, wovon ein Großteil illegal genutzt wird. Wie zu Hause fühlte man sich bei der mehrstündigen Wanderung im Borjomi-Karagauli Nationalpark. Rauschende Bäche, dichte Mischwälder und alpsartige Freiflächen waren anzutreffen.

 

In hervorragenden Hotels war die Reisegruppe untergebracht. Das Frühstück entsprach etwa unserem gewohnten Kontinentalen. Das Mittag- und Abendessen bot einleitend viel Gemüse und verschiedenste Käsesorten, als Hauptgericht häufig gebratenes bzw. gekochtes Fleisch mit Fladenbrot und dünnen Crepes. Als Nachspeise wurde meist Obst aus eigener Produktion gereicht. Eine spezielle Besonderheit waren die Mahlzeiten sowie Weinverkostungen bei Gastfamilien.

Eine harmonische, zeitlich streng disziplinierte Reisegruppe wurde hervorragende begleitet von DI Dr. Bernhard Delong sowie die perfekt deutsch sprechenden Reiseleiterinnen Liana (Armenien) und Anna (Georgien). Sie hatten umfangreichstes Wissen darzubieten und bei Liana kam auch noch ein ordentlicher Schuss Humor dazu (Radio Jerevan Witze). Zusammenfassend also eine rundum gelungen Reise in angenehmer amikaler Atmosphäre mit zahlreichen Eindrücken am Ostrand Europas im Kaukasus.

Michael Moling

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