"Bär, Luchs und Wolf - Heimkehrer oder ungebetene Gäste?" - Vollversammlung 2017

Vortragsveranstaltung mit Diskussion

 

Die großen Beutegreifer stehen vor der Einwanderung in den Tiroler Naturraum.

Präsentation Rauer - "Bär, Luchs und Wolf - Heimkehrer oder ungebetene Gäste?"

Präsentation Fitsch - "Die Sichtweise der Landwirtschaft zum Thema Wolf"

Während Georg Rauer, Österreichischer Bärenanwalt, die Wandern von Bär, Luchs oder Wolf als natürlich und möglich beurteilt, bedauert er jedoch auch die negative Stimmungsmache. Johannes Fitsch vom Tiroler Schafzuchtverband führt den Zuhörern diese Bedenken und Sorgen der Alm- & Weidewirtschaft vor Augen. Das System der Bewirtschafter ist seit langem nicht mehr auf Raubwild angepasst. Auch die Jagd befürchtet Beunruhigung und Schäden an den jagdbaren Wildpopulationen. Der Tourismus befürchtet eine Abschreckung der Gäste. Es bedarf jedoch noch einiges an Klärung, die Politik ist gefordert. Durch Aufklärung der Bevölkerung als auch konkrete Maßnahmen wie eine Abgeltung von Verlusten würde ein Miteinander im Umgang mit Bär, Luchs und Wolf aber durchaus möglich machen.

Schaut man über die Tiroler Landesgrenzen hinaus nach Südtirol, der Schweiz oder Ostösterreich, erspäht man bereits einiges an Erfahrung im Umgang mit großen Beutegreifern wie Bär, Wolf oder Luchs. Aber ist Tirol schon bereit dazu? Unter dem Titel „Bär, Luchs und Wolf – Heimkehrer und ungebetene Gäste?“ lud der Tiroler Forstverein Ende November zu seiner jährlichen Vortragsveranstaltung mit Diskussion nach Innsbruck. Der Österreichische Bärenanwalt Dr. Georg Rauer sowie der Geschäftsführer des Tiroler Schafzuchtverbandes Ing. Johannes Fitsch brachten jeweils zum Thema ihre Hoffnungen und Sorgen zum Ausdruck. In der anschließenden Diskussionsrunde ergänzten Mag. Christoph Walder (WWF Tirol), Hannes Wolf (TVB Ischgl) sowie Benedikt Terzer (Südtiroler Jagdverband) die Bandbreite an Interessen am Thema. Doch auch hier war klar, wandernde Tiere kann man nicht aufhalten. Es bleibt jedoch offen, ob sie sich ansiedeln und wie wir in Tirol darauf reagieren wollen und können.

Wirtschaftliche Schäden und potentielle Gefahr

„Wandernde Beutegreifer können überall in Österreich auftauchen“, kommentiert Rauer. Sie gehören zur natürlichen Artenzusammensetzung der Tiroler Wälder. Zumeist haben sie aber Scheu vor dem Menschen, aber nicht vor Fahrzeugen oder Einrichtungen. Die Bevölkerung weiß jedoch wenig von den potentiellen Gefahren bei einem Zusammentreffen. "Menschen sind oft überrascht, weil sie erwarten, dass Wölfe bei einer Begegnung sofort flüchten und nicht erst abwarten", so Rauer. Hier bedarf es seiner Meinung nach einer Bewusstseinsbildung, um dieser subjektiven Furcht zu begegnen. Der Fleischbedarf der Beutegreifer birgt jedoch auch Schaden für Menschen wie Jagdverpächter oder Tierhalter. Der Schutz und Erhalt der Berglandwirtschaft steht Fitsch dabei im Vordergrund. Die Weide- & Almwirtschaft ist seit rund 150 Jahren nicht mehr auf Beutegreifer eingestellt. Maßnahmen wie Hirtenhunde oder Elektrozäune ist für die Weide im alpinen Raum meist kein Thema, besonders in Tourismusregionen.

Lösung rechtlicher Fragen und Konfliktfelder fordert Politik

Die EU gibt derzeit rechtliche Rahmenbedingungen für Beutegreifer vor. Mag. Christoph Walder, Leiter des WWF Tirol unterstützt, dass Bär, Wolf und Luchs geschützt und geschont werden und zum Teil in Abstimmung mit einer Region sogar aktiv wiedereingebürgert (Beispiel Trentino). Hannes Wolf, stellvertretender Geschäftsführer des TVB Ischgl, als auch Hotelier, Bauer und Jäger sieht durch eine Wiedereinbürgerung den Tourismus als starken Wirtschaftszweig in Tirol gefährdet. Ein Bär im Wald wirkt für einen Wandergast nur abschreckend. Eine Bewusstseinsbildung für Gäste ist in dem Zusammenhang nicht vorstellbar. Heinrich Aukenthaler, Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes, berichtet aus Südtirol, wo bereits seit längerem Bären aus Venetien und dem Trentino einwandern. Für die Jagd gelten große Beutegreifer ohne Möglichkeit des Abschusses im Bedarfsfall als Unruhestifter und Störenfriede. Speziell Wolf und Luchs leben von Schalenwild wie Reh oder Hirsch. Eine politische Regelung ist jedoch für eine gedeihliche Entwicklung in Bezug auf den Umgang mit der Einwanderung der Beutegreifer unabdingbar.

Forstverein bemüht um Multifunktionalität im Lebensraum Wald

Der Tiroler Forstverein bemüht sich bereits seit Jahren um ein mögliches Miteinander im Bergwald. Bereits 2012 wurde diskutiert, „wieviel Wildnis braucht das Land“. In den beiden vergangenen Jahren stand der zwischenmenschliche Interessensausgleich im Erholungswald im Vordergrund. Bereits damals gab es für eine nachhaltige Lebensfähigkeit von Regionen ein klares Bekenntnis zur multifunktionalen Waldbewirtschaftung als Kompromiss der Interessen von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Vorhandensein großer Beutegreifer wird als Ergänzung zur Regulierung von Schalenwildbeständen zur Hintanhaltung von Waldschäden begrüßt. Früher oder später werden einwandernde Beutegreifer auch im Interessensausgleich der Waldbewirtschaftung berücksichtigt werden können.

 

 

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