Wald und Lawinen

 

 

 

Während der intensiven Schneefälle im Jänner des heurigen Jahres haben nicht nur die technischen Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung zum Lawinenschutz ihre gute Wirksamkeit unter Beweis stellen können, sondern auch der Wald und seine Schutzfunktion. Insgesamt waren zwar 175 für den Siedlungsraum relevante Lawinenabgänge zu verzeichnen, diese richteten jedoch nur geringe Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur an.

Dieser hohe Schutzgrad ist jedoch nicht nur auf den technischen Lawinenschutz zurückzuführen. Die aktuellsten Statistiken zeigen, dass ca. 29 % der Waldfläche Tirols eine Objektschutzfunktion vor Lawinen haben. Dies bedeutet, dass diese Wälder eine unmittelbare Schutzfunktion für den darunterliegenden Siedlungsraum haben. Sie bilden somit die wesentliche Sicherheitseinrichtung in schneereichen Winter für unser Land. Die Schutzfunktion des Waldes beruht nicht nur darauf, dass das Anbrechen von Lawinen durch die stützende Wirkung der Stämme verhindert wird. Zudem wird im Wald weniger Schnee durch Wind verfrachtet. Auch sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht viel kleiner. Dadurch kommt es zu einem günstigeren Schneedeckenaufbau und einer rascheren Setzung der Schneedecke. Die beste Wirkung bietet dabei ein ungleichaltriger, in sich geschlossener und mehrstufiger Waldbestand.

Vor allem im Tiroler Unterland waren heuer auf unbewaldeten, steilen Wiesenhängen außergewöhnlich starke Bewegungen der Schneedecke festzustellen.  Diese Gleitschneeprozesse  und Schneerutsche führten auch zu Schäden an Gebäuden und einer Vielzahl oft tagelanger Straßensperren. In derartigen Bereichen werden seitens der Wildbach- und Lawinenverbauung ergänzende Maßnahmen und Aufforstungen geplant.

 


Gleitschneeprozesse auf steilen Wiesenhängen im Tiroler Unterland

Für die Herstellung schutzoptimierter Wälder und um die langfristige Sicherung der Schutzleistung des Waldes zu erhalten, werden heuer in Tirol rund 18 Millionen Euro investiert. Diese Mittel sind bestens eingesetzt, zumal die Kosten für technische Verbauungsmaßnahmen im Vergleich zu einem intakten Schutzwald um bis zu 10-mal höher sind.

 

Somit dürfen wir uns schon jetzt auf den nächsten schneereichen Tiroler Winter freuen.

Autor: DI Ivo Schreiner, Wildbach- und Lawinenverbauung Tirol

Lawinenschutzwald „Haggen“ Gemeinde St. Sigmund im Sellrain