Naturwaldzellen – klein aber oho

Der Tiroler Forstverein holt zur Woche des Waldes sein langjähriges Naturwaldzellenprojekt vor den Vorhang. Seit mehr als 30 Jahren belassen Waldeigentümer/innen im Rahmen des Naturwaldzellenprogrammes des Tiroler Forstvereins freiwillig einen Teil ihres Besitzes dem natürlichen Entwicklungsprozess. Seither gedeihen auf neun Naturwaldzellen mit in Summe 123 Hektar Waldfläche unzählige Pflanzen-, Pilz- und Tierarten.

 

Seit Anfang der Woche ist in Österreich die Woche des Waldes ausgerufen. Der Tiroler Forstverein nutzt daher die Gelegenheit über langjährige Erfolge für den Wald zu berichten. Bereits in den 80er Jahren hat der Tiroler Forstverein gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur unter Professor Zukrigl begonnen, Naturwaldzellen in Tirol einzurichten. Damit wurde eine Vorreiterrolle weit über Österreich hinaus übernommen. Waldbesitzer haben freiwillig einen Teil ihres Waldbesitzes aus ihrer Bewirtschaftung herausgenommen, damit an diesen Beispielen die Waldentwicklung ohne menschlichen Einfluss beobachtet werden kann. Durch diesen freiwilligen Verzicht konnten bis heute neun Naturwälder mit einer Fläche von 123 Hektar seinem natürlichen Entwicklungsprozess überlassen werden.

Die Natur passt in keine Zelle, sie braucht ein Netzwerk

Naturwaldzellen bzw. Naturwaldreservate, wie sie in Tirol rechtlich definiert sind, verkörpern urwaldartige Waldteile, in welchen die natürliche Entwicklung des Ökosystems Wald zulassen und belegt wird. Jede unmittelbare Beeinflussung durch den Menschen unterbleibt darin. Diese Naturwaldzellen sind über alle Landesteile und Höhenstufen verteilt und umfassen daher ein Baumartenspektrum von der Eiche oder Hopfenbuche in Tallagen bis zur Zirbe in Hochlagen. Häufig sind sie nur schlecht erschlossen. Basis dieser Naturwaldzellen ist ein partnerschaftlicher Vertrag zwischen Waldeigentümer/innen und dem Tiroler Forstverein. Auch die Umweltabteilung des Landes Tirol und die Bundesforschungsanstalt für Wald haben ähnliche schützenswerte Flächen. Der Tiroler Forstverein ist somit Teil des Netzwerkes der Tiroler Naturwaldreservate.

Waldgesellschaften im Prozessnaturschutz

Primäres Ziel der Naturwaldzellen ist der Erhalt von urwaldartigen Wäldern als Refugium für seltene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Dahinter stehen Wälder mit mehrschichtigen Waldstrukturen und teils lebenden, teils abgestorbenen Bäumen unterschiedlichen Alters. Durch die Schaffung dieser Bereiche kommt es auch zur Verbesserung der Biodiversität auf der gesamten Tiroler Waldfläche, da nicht nur wichtige genetische Pools, sondern auch selten gewordene Waldgesellschaften und Arten abseits der ertragsfähigen Wirtschaftswälder einen Lebensraum finden. Schlussendlich dienen alle Naturwaldzellen auch der Forschung, der Lehre und der Bildung. Sie stehen auf dem Wege der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung.

Autoren: Anna Rita Hollaus, Manfred Hotter

 

 

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