Der Hang rutscht! - Wirkung und Grenzen des Waldes


Wissenschaftliche Einblicke aus der Schweiz treffen auf praktische Erfahrungen

Neben Neigung und geologischem Untergrund hat auch die Bewirtschaftungsqualität Einfluss auf die Sicherheitsleistung des Waldes gegen Hangrutschungen. Zu diesem Schluss kam DI Christian Rickli bei einer Vortragsveranstaltung des Tiroler Forstvereins. Mit ihm diskutierten Landesforstdirektor Josef Fuchs, Landesbaudirektor Robert Müller, Landesgeologe Thomas Figl und WLV Sektionsleiter Siegfried Sauermoser über Wirkungen und Grenzen des Waldes.

Unter dem Titel „Waldwirkungen und Hangstabilität – Untersuchungen und Hinweise aus der Schweiz“ lud der Tiroler Forstverein am 29.11.2013 zu einer Vortragsveranstaltung im Plenarsaal des neuen Rathauses Innsbruck. Dipl. Ing. Christian Rickli, Spezialist für Gebirgshydrologie und Massenbewegungen aus der Schweiz (WSL), referierte über die Sicherheitswirkung des Waldes auf das Auftreten von flachgründigen Rutschungen. Dabei kam er zum Schluss, dass „mit flachgründigen Rutschungen immer wieder gerechnet werden muss, auch im Wald“.

 

Der Wald hält den Hang noch zurück, wo im Freiland bereits Rutschungen einsetzen.

Eine maßgebliche Rolle bei der Rutschungsprävention spielen der Zeitpunkt der Verjüngungseinleitung und die Baumartenwahl. Speziell im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels (vermehrte Trockenheit, erhöhte nasse Niederschläge im Winter) kommt der naturnahen, nachhaltigen Bewirtschaftung noch mehr Bedeutung zu. Allerdings gibt es klare Grenzen der Waldwirksamkeit. „Mittel- und tiefgründige Massenbewegungen (ab 2 m Tiefe) können vom Wald nicht verhindert werden“, so Siegfried Sauermoser.

 

Hangrutschungen verstärken das Risiko für Mensch, Grundbesitz und Infrastruktur

Thomas Figl bestätigt zwar, dass sich „die Anzahl der Rutschungen langfristig nicht erhöht habe, kurzfristig sei jedoch in den letzten Jahren eine Zunahme zu beobachten.“ Doch auch die Erwartungen an den Wald sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen, und auch „das Schadenspotential durch die höhere Frequenz anwesenden Menschen, sowie gestiegenen Werten in den Risikozonen.“ so Josef Fuchs. Auch wenn gute Sicherungsprogramme im Land Tirol umgesetzt werden, sinkt die Risikotoleranz, sowie parallel dazu „die Anerkennung der Gefahren einer Hochgebirgslandschaft.“ kommentiert Robert Müller dazu.

Gefahrenzonenplan als hervorragende Planungsgrundlage

Als bindende Grundlage für die weitere Entwicklung der Siedlungsgebiete und Infrastrukturbauten gibt es die Gefahrenzonenplanung des Forsttechnischen Dienstes der WLV, die spätestens 2015 Tirol weit fertig sein wird. In den roten Zonen darf es keine neuen Bebauungen geben, bestehende Gebäude können jedoch verbessert und gesichert werden. Gelbe Gefahrenzonen sind nicht sehr begehrt für Bauten, jedoch kann man dort sehr wohl, trotz Gefahrenpotential, ebensolche zulassen. Aufgrund des beschränkten potentiellen Siedlungsraumes in Tirol (nur 12% der Landesfläche) ist das Bewusstsein der Gefahrenzonen sehr wichtig.

 

Unterstützung durch Förderungen der öffentlichen Hand

In den abschließenden Kommentaren stand für alle Sprecher der Podiumsdiskussion fest, dass auch ein gepflegter Wald nicht absoluten Schutz vor Hangrutschungen geben kann. Aufgabe der öffentlichen Hand ist es, die Waldbesitzer/innen bei der Herstellung von standortsgerechten, stabilen Waldzuständen finanziell zu unterstützen. Eine vorausschauende Gefahrenminimierung setzt auch ein kompromissbereites Herangehen von WLV, Landesgeologie und Land Tirol voraus. Gemeinsames Ziel ist es, unsere Lebensräume längerfristig vor Naturgefahren zu schützen. Garantie dafür gibt es im alpinen Raum jedoch keine.

 

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Rückfragehinweis und Kontakt:

Präsident DI Kurt Ziegner, +43 676 88508 2820, kurt.ziegner))This is for spamprotection, please remove!((@))This is for spamprotection, please remove!((tiroler-forstverein.at