Die Hopfenbuche - der Baum des Jahres 2019

 

Der „Baum des Jahres“ wird in Zusammenarbeit des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus mit dem Kuratorium Wald jedes Jahr neu gewählt. Damit soll auf eine bedeutende, aber auch gefährdete Baumart aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig will man das Bewusstsein für den Wald sowohl in seiner Gesamtheit als auch in seiner vielfältigen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung für uns Menschen schaffen.

Steckbrief

Die Hopfenbuche (auch Europa-Hopfenbuche oder Schwarzbuche genannt) gehört wie die Hainbuche zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) und ist eng mit der Hasel verwandt. Die Gattung Ostrya umfasst weltweit etwa zehn Arten, darunter ist nur die Hopfenbuche in Europa (v.a. Südeuropa, bis Kleinasien) heimisch. Die spitzen, scharf doppelt gesägten Laubblätter sind jenen der Hainbuche ähnlich, sie sind aber auf der Oberseite stärker behaart (auf dem Mittelnerv und zwischen den Seitennerven je ein Längsstreifen) und tragen in jungem Zustand unterseits reichlich Drüsen. Im Herbst verfärben sie sich gelb. Die Winterknospen sind klebrig. Die dunkle, längs- und querrissige Borke älterer Bäume unterscheidet sich gut von der grauen, glatten Rinde der Hainbuche. Junge Hopfenbuchen haben aber auch eine weißgraue, glatte Rinde. An bewegten Hängen ist der Stamm oft asymmetrisch (+/- eiförmig im Querschnitt). Meistens findet man mehrstämmige Stockausschlagrotten.

Die Blüten erscheinen gleichzeitig mit dem Laubaustrieb im April bis Mai, die 2-4 männlichen Kätzchen hängen und sind ca. 5-8 cm lang, die weiblichen Blütenstände sind walzliche, traubenförmige Kätzchen. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Die reifen Fruchtstände sind 4-6 cm lang und ähnlich jenen des Echten Hopfens, daher kommt auch der Name des Baumes. Anfänglich sind sie grün, später dann bräunlich. Die Samen (kleine, oft geflügelte Nüsschen) sind von einer blasenartigen Hülle umschlossen.

Die Hopfenbuche ist eine Halbschattbaumart, die in jungen Jahren eine kegelförmige Krone formt. Sie wird selten über 18 m hoch. Das Höchstalter wird mit ca. 100 Jahren angegeben. Ihre Standorte liegen oft an felsigen oder schuttigen Hängen und in Schluchten, wo sie als steinschlagfester Pionierbaum im Schutzwald gute Dienste leistet. Sie kann bis etwa 1000 m Seehöhe steigen, in Südtirol kann man sie sogar bis 1300 m finden. Auf den warmen Standorten in subozeanischen Klimalagen gedeiht sie häufig auf Kalk und Dolomit, aber im Süden bildet sie auch auf Silikat (z.B. dem Bozner Quarzporphyr) gemeinsam mit der Mannaesche ausgedehnte Buschwälder. In diesen Gebieten südlich von Brixen zieht sie sich gerne auf schattigere Lagen zurück, während auf den trockenen Sonnseiten die Flaumeiche dominiert.

Hopfenbuche - ein Exot in Österreich

In Österreich kommt die sonst östlich-submediterran verbreitete Hopfenbuche v.a. im südlichen Kärnten gehäuft vor, dazu ganz lokal in der Oststeiermark – und auch in Tirol! Aufgrund der Seltenheit steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Österreichs.

Bei uns findet man den nach der Tiroler Naturschutzverordnung gänzlich geschützten Baum in Osttirol in den Gemeinden Nikolsdorf (z.B. im Naturwaldreservat Trögerwand) und Lavant. Sie wächst meist als Begleiterin von wärmeliebenden Buchen- und Kiefernwäldern, gemeinsam mit der ebenfalls geschützten Mannaesche (Fraxinus ornus). In Nordtirol ist v.a. das Vorkommen in Mühlau (Innsbruck) schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt (erste Erwähnung in der Literatur 1861). Sie kommt hier in verschiedenen tiefmontanen Buchenmischwäldern in der unteren Baumschicht vor. Die Hopfenbuchen in der Mühlauer Klamm sind seit 1931 als Naturdenkmal ausgewiesen. Sie stellen das nördlichste bekannte Vorkommen dieser Art in Mitteleuropa dar. Ein ca. 70-jähriger Bestand abseits der Klamm am Buchweg ist als neue Naturwaldzelle des Tiroler Forstvereins geplant. Bei den Untersuchungen dafür konnte der Lebensraum als außerordentlich artenreich beschrieben werden.

Ein weiteres kleines Vorkommen gibt es zwischen Innsbruck und Zirl, ob sie dort aber nicht beim Bau der Mittenwaldbahn gepflanzt wurde, ist unklar. Sicher gepflanzt sind die einzelnen Exemplare in Kufstein am Festungsberg.

Die Hopfenbuche zeichnet sich durch eine besondere Ausschlagfähigkeit aus, deshalb werden viele Bestände z.B. in Südtirol als Niederwald für die Brennholzerzeugung genutzt. Als wichtiger Begleiter in Steinschlagschutzwäldern auf warmen Standorten könnte sie auch in Tirol im Zuge der Klimaerwärmung größere Bedeutung erlangen.

Das Holz der Hopfenbuche ist sehr hart. Im englischen Sprachraum wird das Holz der „hophornbeam“ sogar als „ironwood“ (Eisenholz) bezeichnet, das sonst nur für edle Tropenhölzer verwendet wird. Aufgrund der guten Bearbeitbarkeit wurde es früher z.B. zur Herstellung von Handhobeln genutzt. Es ist zum Drechseln, für Musikinstrumente und Möbel sehr beliebt und wird für die Erzeugung von Werkzeugstielen und Zähnen von Mühlrädern sowie zur Schuhanfertigung oder für Webstuhlschiffchen verwendet.

 

Autoren: Vereinigung der Waldaufseher, Manfred Hotter