Die gute Nachricht des Monats – „Der Wald blüht"

Es gibt Nachwuchs in Tirols Wäldern

Seit Tagen überzieht eine gelbe „Staubschicht“ Autos, Gartenmöbel und setzt sich auf Fensterbänken etc. ab. Selbst Regenlacken sind gelb eingefärbt. Bei diesem Staub handelt es sich nicht um „Sand aus der Sahara“ sondern um ein Geschenk der Natur.

Der Wald blüht. Genau genommen sind das die Fichten, die über die Hälfte des heimischen Baumbestandes in Tirol darstellen. Wenn eine Fichte ein Alter von ca. 40 bis 60 Jahren erreicht hat blüht sie erstmalig. Ab diesem Zeitpunkt blüht sie regelmäßig zwischen Mai und Juni – in einem Zyklus von ca. 4 - 7 Jahren. In den meisten Jahren werden nur wenige oder gar keine Samen gebildet.

Wenn die Bäume von der Tallage bis zu höheren Lagen überall blühen spricht man von einer „Vollmast“. Dies ist heuer der Fall. Bei der Fichte wachsen weibliche und männliche Blüten auf einem Baum. Man spricht bei Bäumen von „Einhäusigkeit“. Ein besonderes Schauspiel ist es wenn der Wind die Pollen der männlichen Fichtenblüten verteilt.

Das bedeutet nun, dass in den weiblichen Blüten – die dann im Lauf des Jahres – zu Zapfen werden in verschwenderischer Anzahl Samen heranreifen. Im Herbst und Winter, wenn diese ausgereift sind werfen die Bäume die Zapfen ab, die Samen fallen aus und gelangen auf den Waldboden. Die Natur sorgt somit für nahezu unerschöpflichen Nachwuchs.

Während Forstleute ca. 2.500 bis 3.000 Stk. Pflanzen aus dem Forstgarten für die Wiederaufforstung auf einem Hektar setzen, kann die Natur bei der so genannten „Naturverjüngung“ mehrere 100.000 Stück je Hektar vorsehen. Diese Naturverjüngung ist in jedem Fall ein Segen für den Wald, da so jene Samen auf den Boden gelangen die autochthon (bodenständig) sind und so perfekt auf den Standort abgestimmt sind. Es liegt an den Forstleuten Bedingungen im Wald zu schaffen, die das Aufkommen der Naturverjüngung fördern (kleinflächige Nutzungen um die Vergrasung zu verhindern, gruppenweise Schlägerungen etc.).

Aus den heuer entstandenen Samen gehen dann im nächsten Frühjahr die so genannten Keimlinge hervor. Diese benötigen – ähnlich wie im heurigen Jahr – viel Feuchtigkeit im Boden um gut anwachsen zu können. So sorgt die Natur in perfekter Art und Weise für den Nachwuchs im Wald. Überall dort, wo die kleinen Samenkörner, die mit einem Flügel ausgestattet sind, auf fruchtbaren Boden mit genug Licht und Wärmeeinfluss fallen, wachsen die Keimlinge an und werden zu Bäumen.

Allergiker müssen sich laut Allergieexperten vor den Fichtenpollen nicht besonders fürchten. Die Fichtenpollen sind erheblich größer als beispielsweise die Gräserpollen und belasten den Körper daher kaum.

Also, erfreuen wir uns an unserer intakten Natur und genießen noch für eine kurze Zeit das Naturschauspiel Wald!

P. S. Bei Zapfen die im Herbst am Boden liegen und ein beliebtes „Spielzeug“ für Kinder bei Waldspaziergängen sind, handelt es sich in jedem Fall um „Fichtenzapfen“. Der Tannenzapfen zerfällt am Baum in seine Einzelteile.

Autor: Erich Gollmitzer, BFI Osttirol