Der Wacholder - Globetrotter im Sauerkraut

Die kulinarisch und botanisch fast weltweit bekannte Nadelbaumart.

Der Wacholder ist der am weitesten verbreitete Nadelbaum der Welt. In Österreich ist er meist in Beerenform im Sauerkraut oder in flüssiger Form als Schnaps oder Gin bekannt. Der Tiroler Forstverein widmet sein Augenmerk daher in der Woche der Artenvielfalt vom 19. bis 28. Mai 2017 dieser bedeutenden aber auch gefährdeten Baumart, die sogar 2017 zum Baum des Jahres gekürt wurde.


Rund um den Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22. Mai 2017 können Interessierte eine ganze Woche lang die heimische Fauna und Flora näher kennen und verstehen lernen. Der Tiroler Forstverein stellt im Zuge dessen den Baum des Jahres 2017, den Wacholder, als bedeutende, vielerorts bekannte, aber auch gefährdete Baumart vor den Vorhang. Feuerbaum, Machandelbaum (Norddeutschland), Kranawetten, Kranewitt, Räucherstrauch (Reckholder, alemannisch) oder Krammetsbaum – dies sind nur einige der ca. 300 Namen, unter denen der Wacholder bekannt ist. Etliche alte Tiroler Ortsnamen weisen auf die (frühere) Verbreitung der Art hin, z.B. Kranebitten (Innsbruck), Kranzach (Walchsee) oder Kramsach.


Ein Weltenbürger unter den Nadelbäumen
Die Gattung Juniperus umfasst – vorwiegend auf der Nordhalbkugel - weltweit ca. 70 Arten, von denen in Mitteleuropa nur zwei in freier Natur vorkommen. Die erste ist der in ganz Tirol weit verbreitete Wacholder (Juniperus communis), der in zwei Unterarten, den Echten Wacholder (ssp. communis) und den Alpenwacholder (ssp. alpina) unterschieden wird. Die Höhengrenze zwischen diesen beiden liegt ungefähr bei 1600 m Seehöhe. Außerdem gibt es an warmen Felsstandorten noch den Stink-Wacholder (Juniperus sabina), ein niedriger, giftiger Strauch mit schuppenförmigen Blättern. Er ist in Tirol eine geschützte Art. Der Wacholder wächst meist als säulenförmiger Strauch, richtige Bäume mit einem geraden Stamm sind sehr selten! Solche besonders stattlichen Wacholderbäume sind beispielsweise in den geschützten Kiefern-Trockenauen von Weißenbach am Lech am Ausgang des Schwarzwassertales zu bewundern. In Osttirol ist der „Wacholderhain Lavant“ als flächiges Naturdenkmal ausgewiesen.


Der Sonnenanbeter mit angepasster Ausstattung für viele Lebensjahre
Der Wacholder ist eine immergrüne, anspruchslose, sehr anpassungsfähige Pflanze. Er liebt sonnige Standorte und wagt sich mit seinem tiefgreifenden Wurzelsystem als Alpen-Wacholder in Höhenlagen bis über 2500 m hinauf. Meist ist der Wacholder in lichten Kiefernwäldern, an felsigen Hängen und auf trockenem Gesteinsschutt zu finden. Die Entwicklung der kugeligen Beeren zieht sich über drei Jahre hin und somit finden sich stets unreife (grüne) und reife (schwarzblaue) Früchte zugleich an den Ästen. Die „Wacholderbeeren“ sind eigentlich Beerenzapfen aus fleischigen und verwachsenen Samenschuppen. Die Blätter des Wacholders sind stachelspitze, schmale Nadeln, die immer zu dritt in Quirlen um den Ast stehen. Wacholder können sehr alt werden, es sind 2000 Jahre alte Exemplare bekannt.


Ökologische Bedeutung
Für verschiedene Landschaftsbilder und für den Naturschutz ist der Wacholder von großer Bedeutung. Viele Lebewesen finden in und um diesen charakteristischen Strauch oder Baum ihren idealen Lebensraum. Eine Untersuchung ergab, dass 18 verschiedene Säugetiere, über 40 Vogel- sowie 20 Insektenarten seine Umgebung bevorzugen. Namentlich sind dies Wacholderprachtkäfer, Wacholderminiermotte und Wacholderborkenkäfer sowie die Wacholderdrossel. Letztere trägt zudem zur Verbreitung dieser immergrünen Pflanze bei. Die Wacholderdrossel („Krametsvogel“) hält sich gerne in lichten Wäldern, Obstgärten und Parkanlagen auf. Sie frisst aber nicht nur Wacholderbeeren, sondern v.a. Vogelbeeren und Insekten, Würmer u.a. kleine Weichtiere. Im europäischen Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk ist beispielsweise der Lebensraumtyp „Formationen des Gemeinen Wacholders Juniperus communis auf Kalkheiden und –rasen“ ausgewiesen.


Baum des Jahres 2017
2017 ist der Echte Wacholder in Österreich Baum des Jahres. Diese Auszeichnung wird in Zusammenarbeit des Lebensministeriums mit dem Kuratorium Wald jedes Jahr neu bestimmt. Damit soll auf eine bedeutende, aber auch gefährdete Baumart aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig will man ein Bewusstsein für den Wald sowohl in seiner Gesamtheit als auch in seiner vielfältigen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Bedeutung für uns Menschen schaffen.


Vielgestaltiges Gehölz mit großer magischer Kraft
Der Wacholder ist ein sehr vielseitig einsetzbares Gehölz. Er findet seine Verwendung in Brauchtum, Volksglaube, Medizin, Küche und als Schnitzholz. Schon unsere Ahnen schätzten den Wacholder gleich dem Holunder als Heilholz und haben ihn gerne als Schutz- und Wächterstrauch rund um das Haus angepflanzt. Als Genussmittel muss natürlich der Wacholderschnaps erwähnt werden, der je nach Gegend verschieden benannt wird: Kranewitter (Österreich), Steinhäger (Deutschland), Genever (Holland), Gin (England) oder Borowitschka (Slawische Staaten). Zudem enthalten Beeren und Zweige ätherische Öle, die reinigend und desinfizierend wirken. Der Wacholder mit seiner großen schutzmagischen Kraft zählt auch zu einer der ältesten Räucherpflanzen. Beim Selchen von Gepökeltem können sowohl Wacholderzweige als auch -späne, die beim Drechseln anfallen, zum Einsatz kommen. Das Holz des Wacholders ist weich und elastisch, besitzt aber eine enorme Festigkeit, weshalb es zur Herstellung von Bögen, Pfeifen und knorrigen Spazierstöcken verwendet wird. Im „Märchen vom Machandelbaum“ kommt der Wacholder sogar bei den Gebrüdern Grimm vor.

 

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